Literatur

  • Das Verstummen des Denkens: Über die Kultur der Unaufmerksamkeit In einer Zeit, in der Information allgegenwärtig und Denken selten geworden ist, zeigt sich die Krise der Aufklärung in einem neuen Gewand. Was früher das Buch war – ein Ort konzentrierter Erfahrung –, ist heute vom endlosen Strom digitaler Reize überlagert. Das Bedürfnis nach Komplexität wird…

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  • Vom Zweifel an der Moderne: Adorno und Lyotard

    Vorspiel – Im Schatten des Gedachten Es gibt Gedanken, die wie Schatten sind: Sie erlöschen nicht, wenn das Licht der Zeit sich ändert. Adorno gehört zu ihnen. Sein Denken bleibt als Nachhall im Bewusstsein der Moderne, selbst dort, wo sie sich von ihm lossagt. Vielleicht war jede Theorie nach ihm schon Kommentar, jeder Versuch, sich…

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  • Rilke zwischen Ding und Melancholie: Poetische Schwellen der Moderne

    Der Dichter im Bann der Kunst Kaum ein Dichter hat sich so sehr in die Nähe der bildenden Kunst gerückt wie Rainer Maria Rilke. Und kaum einer ist darüber so sehr in den Verdacht geraten, die Sprache selbst in eine Art musealen Raum verwandelt zu haben. Sein Pathos der Dinge, in den Neuen Gedichten zum…

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  • Die Wandlung von Thomas Mann: Vom Konservativen zum Demokrat

    Die Sonderausstellung „Meine Zeit. Thomas Mann und die Demokratie“ feiert anlässlich seines 150. Geburtstags den berühmtesten Sohn der Stadt Lübeck, den Literaturnobelpreisträger Thomas Mann. Sie wird vom Buddenbrookhaus verantwortet und findet, da das Stammhaus derzeit umgebaut wird, im St. Annen-Museum statt – dem ehemaligen Augustinerkloster, das schon durch seine Aura eine stille Zwiesprache mit der…

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  • Ernst Ludwig Kirchner auf Fehmarn

    Zwischen Paradies und Abgrund Stehe ich nachts am Strand von Fehmarn, wenn das Meer schwarz und bodenlos geworden ist und die Brandung in rhythmischen Schlägen gegen die Küste bricht, dann scheint mir die Landschaft nicht bloß Natur, sondern ein Bild von Wahrheit. Das Leuchtfeuer von Staberhuk hebt sich wie ein Maß gegen die Dunkelheit, und…

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  • In den westlichen Arbeitervierteln Bremens, wo etwa die Fassaden des „Roten Gewerkschaftsblocks“ in der Gröpelinger Heerstraße noch heute von einer unterbrochenen Hoffnung erzählen, lebte meine Großmutter Johanne Trutzenberger mit ihrer Familie. Dass der Komplex kürzlich zum hundertjährigen Jubiläum der GEWOBA in jenem Dunkelrot gestrichen wurde, das ihm den Namen gab, erscheint wie ein unwillkürliches Eingeständnis:…

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  • Stéphane Hessel: Eine Begegnung am Rand der Zeit

    Manche Orte bewahren ein Gedächtnis, das über ihre Mauern und Straßen hinausweist. Trouville gehört für mich zu jenen Landschaften, in denen sich Literatur, Geschichte und persönliche Erfahrung auf geheimnisvolle Weise überlagern. Immer wieder hat mich Prousts Spur hierhergeführt, doch zuweilen ereignet sich in dieser vertrauten Umgebung etwas, das über den literarischen Resonanzraum hinaus in die…

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  • Kultur und Krieg: Adornos Dialektik im Schatten der Barbarei

    Kultur und Krieg – sie stehen nicht wie Licht und Schatten zueinander, sondern wie Zwillingsbrüder, deren Ähnlichkeit uns unheimlich wird, sobald man sie nebeneinander sieht. Jedes Gedicht, jede Sinfonie, jede Kathedrale trägt die Möglichkeit des Kanonendonners in sich; jede Verfeinerung des Geistes kann sich, kaum geboren, in eine Waffe verwandeln. Adorno wusste: Die Kultur, die…

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  • Kurhaus Bad Zwischenahn: Ein Denkmal vergangener Ästhetik

    Am Ufer jenes Sees, der den Namen des Meeres trägt, steht das Alte Kurhaus. Das 1874 nach den Plänen Ludwig Klingenbergs errichtete Gebäude erhebt sich wie ein stiller Zeuge einer verschwundenen Kultur – es ist kein Palast, nicht einmal ein Schloss, und doch trägt es in seinen Formen den Anspruch des Erhabenen. Es spiegelt die…

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  • Eduard Mörike zum Geburtstag: Idylle und Widerstand

    Mörikes Geburtstag lädt dazu ein, inmitten der sprachlichen Leuchtkraft seiner Verse nicht allein den stillen Sänger der Natur zu feiern, sondern zugleich jenen untergründigen Widerhall zu vernehmen, den Adorno in seiner Deutung von Auf einer Wanderung hörbar machte. Was sich auf den ersten Blick als kontemplatives Bild der Harmonie von Landschaft und Stimmung darbietet, erscheint…

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  • Kritik als Lebensform: Ein Nachruf auf Christa Bürger

    Ein Nachruf auf Christa Bürger Am 22. August 2025 ist Christa Bürger im Alter von neunzig Jahren gestorben. Mit ihr endet eine Epoche kritischer Literaturwissenschaft, die stets mehr war als ein universitäres Fach; sie war Teil einer umfassenden intellektuellen Bewegung, die sich der Aufklärung in ihrer dialektischen Gestalt verpflichtet wusste. Christa Bürger war eine der…

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  • Für Peter Bürger

    Für Peter Bürger

    Mit dem Zerfall des avancierten Materials ist die Kunst nicht frei geworden, sondern heimatlos. Wo einst die strenge Bindung an das geschichtsphilosophisch verpflichtete Material einen Maßstab jenseits des Beliebigen versprach, zerfällt die Theorie in bloße Programmatiken. Das Kunstwerk, das nun seine Kriterien selbst setzt, trägt die Bürde der Einsamkeit: Es ist Richter und Angeklagter in…

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  • Die Schatzalp – Dialektik der Höhe

    Es gibt Orte, an denen sich das Denken verlangsamt, nicht weil es ermüdet, sondern weil es sich seines Gewichts bewusst wird. Die Schatzalp über Davos ist ein solcher Ort – nicht im Sinne geografischer Erhabenheit, sondern als Denkfigur. Zwischen Thomas Manns Zauberberg, Adornos Kritik der Kulturindustrie und Benjamins Reflexionen über Geschichte, Aura und Erinnerung spannt…

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  • Am 8. Mai 2025 wird Gary Snyder 95 Jahre alt. Der amerikanische Lyriker, Essayist und Umweltdenker gehört zu den letzten lebenden Stimmen der Beat-Generation – und zu den wenigen, deren Werk nicht nur in der Literatur, sondern im Leben selbst verankert ist. Früh wurde Snyder als Vorbild einer alternativen Lebensweise wahrgenommen. Bekannt wurde er durch…

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