Adorno
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Kultur und Krieg – sie stehen nicht wie Licht und Schatten zueinander, sondern wie Zwillingsbrüder, deren Ähnlichkeit uns unheimlich wird, sobald man sie nebeneinander sieht. Jedes Gedicht, jede Sinfonie, jede Kathedrale trägt die Möglichkeit des Kanonendonners in sich; jede Verfeinerung des Geistes kann sich, kaum geboren, in eine Waffe verwandeln. Adorno wusste: Die Kultur, die
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Mörikes Geburtstag lädt dazu ein, inmitten der sprachlichen Leuchtkraft seiner Verse nicht allein den stillen Sänger der Natur zu feiern, sondern zugleich jenen untergründigen Widerhall zu vernehmen, den Adorno in seiner Deutung von Auf einer Wanderung hörbar machte. Was sich auf den ersten Blick als kontemplatives Bild der Harmonie von Landschaft und Stimmung darbietet, erscheint
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Ein Nachruf auf Christa Bürger Am 22. August 2025 ist Christa Bürger im Alter von neunzig Jahren gestorben. Mit ihr endet eine Epoche kritischer Literaturwissenschaft, die stets mehr war als ein universitäres Fach; sie war Teil einer umfassenden intellektuellen Bewegung, die sich der Aufklärung in ihrer dialektischen Gestalt verpflichtet wusste. Christa Bürger war eine der
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Mit dem Zerfall des avancierten Materials ist die Kunst nicht frei geworden, sondern heimatlos. Wo einst die strenge Bindung an das geschichtsphilosophisch verpflichtete Material einen Maßstab jenseits des Beliebigen versprach, zerfällt die Theorie in bloße Programmatiken. Das Kunstwerk, das nun seine Kriterien selbst setzt, trägt die Bürde der Einsamkeit: Es ist Richter und Angeklagter in
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Einleitung Die intellektuelle Landschaft der deutschen Nachkriegszeit wurde maßgeblich von zwei Strömungen geprägt, die trotz gemeinsamer marxistischer Wurzeln und eines kritischen Gesellschaftsverständnisses distinkte Pfade in Analyse und politischer Praxis beschritten: die Kritische Theorie der Frankfurter Schule und die Marburger Schule um Wolfgang Abendroth. Während die Frankfurter Schule eine umfassende Kultur- und Gesellschaftskritik entwickelte, die auf
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Zwischen Porosität und theoretischer Entwicklung Alfred Sohn-Rethel (1899–1990) gehört zu jenen Denkern, deren theoretische Radikalität sich erst spät, aber umso nachhaltiger Bahn brach. Seine prägenden Jahre in Süditalien, verbracht zwischen 1924 und 1927 im stillen Rückzug in Positano und im pulsierenden Chaos Neapels, markieren eine entscheidende biographische Zäsur. Mehr noch: Sie sind die Geburtsstunde eines
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„Der sich fortwährend beschleunigende Strom von Ereignissen macht uns blind für die unabgegoltenen Wahrheitsgehalte des Vergangenen. In der immer schnelleren Entwertung von Wahrheitsgehalten, die der Aktualisierungsausgrenzung unterliegen, spielt sich eine unglaubliche Irrtumsproduktion ab, die von der Idee lebt, dass sich jeder vergangene Gedanke vor der Gegenwart zu rechtfertigen habe.“ Oskar Negt 1. Kindheit, Flucht und