Adorno

  • Das Maß des Fragilen. Giacometti und die Wahrheit der Unvollkommenheit

    Wenn man vor Alberto Giacomettis Figuren steht, überfällt einen ein merkwürdiges Gefühl der Distanz – eine Distanz, die nicht Kälte ist, sondern Abgrund. Sie stehen da, wie eingefrorene Schatten, aus der Welt gefallen und doch durch sie hindurchgegangen, als hätten sie eine Schwelle überschritten, die wir noch vor uns haben. Kaum eine andere Kunstform des…

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  • Die Kritische Theorie entstand aus der Erfahrung, dass Aufklärung in Barbarei umschlagen kann, wenn Vernunft sich in Herrschaft verwandelt. Aus der Katastrophe des europäischen Antisemitismus erwuchs der Imperativ, jede Form politischer Gewalt und Diskriminierung zu verurteilen – gleichgültig, von wem sie ausgeht. Nach Auschwitz darf keine Macht sich der Kritik entziehen, am wenigsten jene, die…

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  • Das Verstummen des Denkens: Über die Kultur der Unaufmerksamkeit In einer Zeit, in der Information allgegenwärtig und Denken selten geworden ist, zeigt sich die Krise der Aufklärung in einem neuen Gewand. Was früher das Buch war – ein Ort konzentrierter Erfahrung –, ist heute vom endlosen Strom digitaler Reize überlagert. Das Bedürfnis nach Komplexität wird…

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  • Vom Zweifel an der Moderne: Adorno und Lyotard

    Vorspiel – Im Schatten des Gedachten Es gibt Gedanken, die wie Schatten sind: Sie erlöschen nicht, wenn das Licht der Zeit sich ändert. Adorno gehört zu ihnen. Sein Denken bleibt als Nachhall im Bewusstsein der Moderne, selbst dort, wo sie sich von ihm lossagt. Vielleicht war jede Theorie nach ihm schon Kommentar, jeder Versuch, sich…

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  • Ernst Ludwig Kirchner auf Fehmarn

    Zwischen Paradies und Abgrund Stehe ich nachts am Strand von Fehmarn, wenn das Meer schwarz und bodenlos geworden ist und die Brandung in rhythmischen Schlägen gegen die Küste bricht, dann scheint mir die Landschaft nicht bloß Natur, sondern ein Bild von Wahrheit. Das Leuchtfeuer von Staberhuk hebt sich wie ein Maß gegen die Dunkelheit, und…

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  • Denk-Bilder. Zum Werk von Thomas Hartmann

    Die Wirkung von Malerei beginnt dort, wo die Worte enden. Thomas Hartmann hat einmal gesagt, das Eigentliche zu hinterfragen sei beinahe unmöglich. Genau dieser Anspruch prägt sein Schaffen: das Unsagbare mit den Mitteln der Kunst sichtbar zu machen. Malen bedeutet für ihn Geduld, Disziplin und handwerkliche Strenge – ein tägliches Ringen, vergleichbar mit dem Pflügen…

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  • Kultur und Krieg: Adornos Dialektik im Schatten der Barbarei

    Kultur und Krieg – sie stehen nicht wie Licht und Schatten zueinander, sondern wie Zwillingsbrüder, deren Ähnlichkeit uns unheimlich wird, sobald man sie nebeneinander sieht. Jedes Gedicht, jede Sinfonie, jede Kathedrale trägt die Möglichkeit des Kanonendonners in sich; jede Verfeinerung des Geistes kann sich, kaum geboren, in eine Waffe verwandeln. Adorno wusste: Die Kultur, die…

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  • Eduard Mörike zum Geburtstag: Idylle und Widerstand

    Mörikes Geburtstag lädt dazu ein, inmitten der sprachlichen Leuchtkraft seiner Verse nicht allein den stillen Sänger der Natur zu feiern, sondern zugleich jenen untergründigen Widerhall zu vernehmen, den Adorno in seiner Deutung von Auf einer Wanderung hörbar machte. Was sich auf den ersten Blick als kontemplatives Bild der Harmonie von Landschaft und Stimmung darbietet, erscheint…

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  • Kritik als Lebensform: Ein Nachruf auf Christa Bürger

    Ein Nachruf auf Christa Bürger Am 22. August 2025 ist Christa Bürger im Alter von neunzig Jahren gestorben. Mit ihr endet eine Epoche kritischer Literaturwissenschaft, die stets mehr war als ein universitäres Fach; sie war Teil einer umfassenden intellektuellen Bewegung, die sich der Aufklärung in ihrer dialektischen Gestalt verpflichtet wusste. Christa Bürger war eine der…

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  • Für Peter Bürger

    Für Peter Bürger

    Mit dem Zerfall des avancierten Materials ist die Kunst nicht frei geworden, sondern heimatlos. Wo einst die strenge Bindung an das geschichtsphilosophisch verpflichtete Material einen Maßstab jenseits des Beliebigen versprach, zerfällt die Theorie in bloße Programmatiken. Das Kunstwerk, das nun seine Kriterien selbst setzt, trägt die Bürde der Einsamkeit: Es ist Richter und Angeklagter in…

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  • Das Erbe der Kritik – Die Frankfurter Schule und die Marburger Antwort auf den Kapitalismus

    Einleitung Die intellektuelle Landschaft der deutschen Nachkriegszeit wurde maßgeblich von zwei Strömungen geprägt, die trotz gemeinsamer marxistischer Wurzeln und eines kritischen Gesellschaftsverständnisses distinkte Pfade in Analyse und politischer Praxis beschritten: die Kritische Theorie der Frankfurter Schule und die Marburger Schule um Wolfgang Abendroth. Während die Frankfurter Schule eine umfassende Kultur- und Gesellschaftskritik entwickelte, die auf…

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  • Alfred Sohn-Rethel in Süditalien

    Zwischen Porosität und theoretischer Entwicklung Alfred Sohn-Rethel (1899–1990) gehört zu jenen Denkern, deren theoretische Radikalität sich erst spät, aber umso nachhaltiger Bahn brach. Seine prägenden Jahre in Süditalien, verbracht zwischen 1924 und 1927 im stillen Rückzug in Positano und im pulsierenden Chaos Neapels, markieren eine entscheidende biographische Zäsur. Mehr noch: Sie sind die Geburtsstunde eines…

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  • Oskar Negt (1934–2024): Ein Leben im Zeichen kritischer Gesellschaftsanalyse und demokratischer Bildung

    „Der sich fortwährend beschleunigende Strom von Ereignissen macht uns blind für die unabgegoltenen Wahrheitsgehalte des Vergangenen. In der immer schnelleren Entwertung von Wahrheitsgehalten, die der Aktualisierungsausgrenzung unterliegen, spielt sich eine unglaubliche Irrtumsproduktion ab, die von der Idee lebt, dass sich jeder vergangene Gedanke vor der Gegenwart zu rechtfertigen habe.“ Oskar Negt 1. Kindheit, Flucht und…

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