Horkheimer
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Über Kritische Theorie, die Selbstzerstörung des Kapitalismus und die Frage, was bleibt Die Frage, ob die Kritische Theorie noch etwas zu sagen hat, wird meist falsch gestellt. Sie erscheint als Frage nach ihrer Relevanz — ob Adorno und Horkheimer noch zitierbar sind, ob ihre Begriffe die Gegenwart treffen, ob man mit ihnen Politik machen kann.…
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Die Frage klingt nach Nachruf. Als müsste man zunächst einräumen, dass eine Theorie, die in den 1930er Jahren entstand, inzwischen ihren historischen Ort gefunden hat — in den Seminaren, in den Handbüchern, in der Geistesgeschichte. Und doch drängt sie sich mit einer Hartnäckigkeit auf, die sich dieser Einordnung widersetzt. Der Grund liegt nicht in akademischer…
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Die Geschichte des modernen Subjekts beginnt mit einem Akt der Selbstverleugnung, nicht der Befreiung. Sie ist die Genealogie eines durch Disziplin und Angst geformten Ichs. In der Szene des Odysseus, der sich an den Mast bindet, um dem Gesang der Sirenen zu widerstehen, verdichtet sich die doppelte Logik der Aufklärung: Emanzipation durch Unterwerfung, Erkenntnis durch…
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Max Horkheimer hat der Kritischen Theorie ihren Ernst gegeben. Sein Denken trägt die Spur einer Erfahrung, die sich nicht versöhnen ließ. Fortschritt und Barbarei standen im 20. Jahrhundert enger beieinander, als es jede Geschichtsphilosophie wahrhaben wollte. Als Direktor des Instituts für Sozialforschung formte er eine Konstellation, deren Name bis heute nachwirkt. Die Zusammenarbeit mit Theodor…
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Dialektik ohne Garantie Die Kritische Theorie ist ohne Hegel nicht denkbar. Sie ist es ebenso wenig mit ihm. In dieser Spannung – zwischen Aneignung und Bruch – bewegt sich ihr Denken. Hegels Dialektik bildet den philosophischen Horizont, vor dem sich die Einsicht ausbildet, dass Wirklichkeit nur im Widerspruch zu sich selbst begriffen werden kann. Zugleich…
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Der folgende Essay untersucht das Werk Jürgen Habermas‘ im Spannungsfeld zwischen der ersten Frankfurter Schule und der kommunikativen Wende. Habermas‘ frühe Arbeiten stehen noch in der marxistischen Tradition, analysieren die Öffentlichkeit als umkämpftes Terrain gesellschaftlicher Machtverhältnisse und verbinden politische Ökonomie, Psychoanalyse und kritische Theorie. Mit der Theorie des kommunikativen Handelns verschiebt sich sein Fokus auf…
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Zur Kritik der politischen Vernunft in der Gegenwart Vorbemerkung Dieser Essay entstand aus einer Unruhe. Während allerorts von der „Verteidigung der Demokratie“ die Rede ist, scheint mir, dass selten gefragt wird, was eigentlich verteidigt werden soll – und gegen wen. Die Gefahr kommt nicht nur von außen, von autoritären Bewegungen. Sie liegt in der Demokratie…
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Es gehört zu den bitteren Ironien der Geistesgeschichte, dass das Institut, das einst den Anspruch erhob, den Zusammenhang von Erkenntnis und Herrschaft freizulegen, heute selbst in jener Vernunft verstrickt ist, die es zu kritisieren vorgab. Die „Kritische Theorie“ – ursprünglich der Versuch, die Selbstzerstörung der Aufklärung in ihrer eigenen Bewegung begrifflich zu fassen – hat…
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Einleitung Die intellektuelle Landschaft der deutschen Nachkriegszeit wurde maßgeblich von zwei Strömungen geprägt, die trotz gemeinsamer marxistischer Wurzeln und eines kritischen Gesellschaftsverständnisses distinkte Pfade in Analyse und politischer Praxis beschritten: die Kritische Theorie der Frankfurter Schule und die Marburger Schule um Wolfgang Abendroth. Während die Frankfurter Schule eine umfassende Kultur- und Gesellschaftskritik entwickelte, die auf…