Mit dem Zerfall des avancierten Materials ist die Kunst nicht frei geworden, sondern heimatlos. Wo einst die strenge Bindung an das geschichtsphilosophisch verpflichtete Material einen Maßstab jenseits des Beliebigen versprach, zerfällt die Theorie in bloße Programmatiken. Das Kunstwerk, das nun seine Kriterien selbst setzt, trägt die Bürde der Einsamkeit: Es ist Richter und Angeklagter in einem. Was als Befreiung erscheint, ist zugleich der Verlust jener allgemeinen Verbindlichkeit, die den Ernst der ästhetischen Theorie ausmachte. Vielleicht liegt in dieser Unmöglichkeit, von außen Kriterien zu stiften, das letzte melancholische Wahrheitsmoment: dass die Kunst nur noch in der Kraft ihres eigenen Scheiterns ein Kriterium behauptet.

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