Auf den Terrassen von Sanssouci empfing der König einst Voltaire. Friedrich glaubte, die Vernunft werde die Welt zähmen. Ein Garten als Monument des Fortschritts – jede Skulptur an ihrem Platz, jede Weinrebe gezählt.
Aber Gärten sind auch Grabstätten. Unter der Ordnung liegen die Ausgeschlossenen: die Deserteure, die Leibeigenen, die Verluste der schlesischen Kriege. Der König komponierte sein Reich wie eine Fuge, doch zwischen den Noten sammelt sich Schweigen.
Friedrich liebte das Schöne. Die Architektur, die Musik, die Verse. Vielleicht war Sanssouci der Versuch, die Welt durch Ästhetik zu versöhnen – Vernunft und Anmut in symmetrischen Beeten. Ein aufgeklärter Absolutismus als Kunstwerk.
Doch das Schöne verspricht mehr, als die Macht halten kann. Die Flöte verstummt. Die Weinreben wachsen weiter, gleichgültig. Was bleibt, ist eine Terrasse voller Statuen, die niemanden mehr ansehen.
(Aus dem blauen Buch – 24. Januar 2026)
Hinterlasse einen Kommentar