Natur als sichtbarer Geist

Die vereisten Bäume stehen kahl gegen den Himmel. Schelling schrieb: Natur ist sichtbarer Geist, Geist ist unsichtbare Natur.

Was ich sehe, sieht mich an. Die Landschaft vor dem Fenster ist nicht stumm – sie denkt, aber anders. Jeder Baum eine Form, in der sich etwas zeigt, das kein Name trifft. Das Absolute liegt nicht hinter den Dingen. Es ist in ihnen, als das, was sie zusammenhält, ohne selbst sichtbar zu werden.

Das blaue Buch schreibt täglich. Es sammelt Fragmente – Eindrücke, Gedanken, Bilder. Aber das, was sie verbindet, entzieht sich. Vielleicht ist das Schreiben selbst eine Form der Natur: der Versuch des Geistes, sich sichtbar zu machen.

Die Bäume schweigen. Der Schnee fällt weiter. Die Seite bleibt offen.

(Aus dem blauen Buch – 27. Januar 2026)


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