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  • Der folgende Essay untersucht das Werk Jürgen Habermas‘ im Spannungsfeld zwischen der ersten Frankfurter Schule und der kommunikativen Wende. Habermas‘ frühe Arbeiten stehen noch in der marxistischen Tradition, analysieren die Öffentlichkeit als umkämpftes Terrain gesellschaftlicher Machtverhältnisse und verbinden politische Ökonomie, Psychoanalyse und kritische Theorie. Mit der Theorie des kommunikativen Handelns verschiebt sich sein Fokus auf…

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  • Werner Sombart und die Physiognomie des Kapitalismus

    Es gehört zu den liebenswürdigen Idiosynkrasien der ökonomischen Literatur des frühen 20. Jahrhunderts, dass sie dort am hartnäckigsten spekulativ wird, wo sie glaubt, sich am festesten auf Tatsachen zu stützen. Werner Sombarts „Luxus und Kapitalismus“ ist ein solches Buch: ein gelehrtes Kuriosum, das in seiner Mischung aus kulturhistorischer Intuition, verstreuter Gelehrsamkeit und selbstbewusster Normsetzung so…

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  • Zur Krise der Kinderbetreuung in Bremen Die Hiobsbotschaften reißen nicht ab. Die soziale Infrastruktur Bremens gerät zunehmend unter Druck – und die Insolvenz des Trägers PME Familienservice ist nur das jüngste Symptom einer Entwicklung, die längst systemisch geworden ist. Die Abwicklung des Trägers Petri & Eichen in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit hat bereits gezeigt,…

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  • Hannah Arendt – Die Zerbrechlichkeit des Anfangs

    Ein Essay zum 50. Todestag Es gibt Denkerinnen, deren Werk jenseits des Alterns durch die nachträgliche Erschaffung seiner eigenen Gegenwart besticht. Hannah Arendt gehört zu ihnen. Ihre Begriffe sind keine Monumente der Überlieferung. Es sind vielmehr fragile Gebilde – fragil, weil sie sich weigern, das Kontingente ins Systematische zu überführen, weil sie dem Ereignischarakter des…

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  • Eine kritische Lektüre Roland Barthes‘ Die Geschichte der modernen Ästhetik ist die Geschichte einer Befreiung, die in Entzauberung umschlägt. Roland Barthes hat mit der Öffnung des Zeichens, mit der Zerstörung seiner Autorität und der Entbindung seiner Bedeutungen jenen Akt vollzogen, der der bürgerlichen Kunst noch versagt blieb. Das Werk, das sich von seinem Schöpfer lossagt,…

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  • Dialektik der Demokratie

    Zur Kritik der politischen Vernunft in der Gegenwart Vorbemerkung Dieser Essay entstand aus einer Unruhe. Während allerorts von der „Verteidigung der Demokratie“ die Rede ist, scheint mir, dass selten gefragt wird, was eigentlich verteidigt werden soll – und gegen wen. Die Gefahr kommt nicht nur von außen, von autoritären Bewegungen. Sie liegt in der Demokratie…

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  • Vom Verlust der Negativität. Zur Entleerung der Kritischen Theorie

    Es gehört zu den bitteren Ironien der Geistesgeschichte, dass das Institut, das einst den Anspruch erhob, den Zusammenhang von Erkenntnis und Herrschaft freizulegen, heute selbst in jener Vernunft verstrickt ist, die es zu kritisieren vorgab. Die „Kritische Theorie“ – ursprünglich der Versuch, die Selbstzerstörung der Aufklärung in ihrer eigenen Bewegung begrifflich zu fassen – hat…

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  • Das Maß des Fragilen. Giacometti und die Wahrheit der Unvollkommenheit

    Wenn man vor Alberto Giacomettis Figuren steht, überfällt einen ein merkwürdiges Gefühl der Distanz – eine Distanz, die nicht Kälte ist, sondern Abgrund. Sie stehen da, wie eingefrorene Schatten, aus der Welt gefallen und doch durch sie hindurchgegangen, als hätten sie eine Schwelle überschritten, die wir noch vor uns haben. Kaum eine andere Kunstform des…

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  • Vom Zweifel an der Moderne: Adorno und Lyotard

    Vorspiel – Im Schatten des Gedachten Es gibt Gedanken, die wie Schatten sind: Sie erlöschen nicht, wenn das Licht der Zeit sich ändert. Adorno gehört zu ihnen. Sein Denken bleibt als Nachhall im Bewusstsein der Moderne, selbst dort, wo sie sich von ihm lossagt. Vielleicht war jede Theorie nach ihm schon Kommentar, jeder Versuch, sich…

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  • Die Wandlung von Thomas Mann: Vom Konservativen zum Demokrat

    Die Sonderausstellung „Meine Zeit. Thomas Mann und die Demokratie“ feiert anlässlich seines 150. Geburtstags den berühmtesten Sohn der Stadt Lübeck, den Literaturnobelpreisträger Thomas Mann. Sie wird vom Buddenbrookhaus verantwortet und findet, da das Stammhaus derzeit umgebaut wird, im St. Annen-Museum statt – dem ehemaligen Augustinerkloster, das schon durch seine Aura eine stille Zwiesprache mit der…

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  • Ernst Ludwig Kirchner auf Fehmarn

    Zwischen Paradies und Abgrund Stehe ich nachts am Strand von Fehmarn, wenn das Meer schwarz und bodenlos geworden ist und die Brandung in rhythmischen Schlägen gegen die Küste bricht, dann scheint mir die Landschaft nicht bloß Natur, sondern ein Bild von Wahrheit. Das Leuchtfeuer von Staberhuk hebt sich wie ein Maß gegen die Dunkelheit, und…

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  • In den westlichen Arbeitervierteln Bremens, wo etwa die Fassaden des „Roten Gewerkschaftsblocks“ in der Gröpelinger Heerstraße noch heute von einer unterbrochenen Hoffnung erzählen, lebte meine Großmutter Johanne Trutzenberger mit ihrer Familie. Dass der Komplex kürzlich zum hundertjährigen Jubiläum der GEWOBA in jenem Dunkelrot gestrichen wurde, das ihm den Namen gab, erscheint wie ein unwillkürliches Eingeständnis:…

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  • Vertrauen in demokratische Wahlen stärken durch Neuauszählung

    Sehr geehrte Mitglieder des Wahlprüfungsausschusses, als Sozialwissenschaftler mit langjährigen Erfahrungen in empirischer Sozialforschung und Statistik, möchte ich meiner tiefen Sorge Ausdruck verleihen, dass das derzeitige Verfahren zur Prüfung der Bundestagswahlergebnisse unnötig verzögert wird – mit potenziell schädlichen Folgen für das Vertrauen in unsere demokratischen Institutionen. Meine Sorge gilt dabei nicht parteipolitischen Interessen, sondern der methodischen und…

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  • Kultur und Krieg: Adornos Dialektik im Schatten der Barbarei

    Kultur und Krieg – sie stehen nicht wie Licht und Schatten zueinander, sondern wie Zwillingsbrüder, deren Ähnlichkeit uns unheimlich wird, sobald man sie nebeneinander sieht. Jedes Gedicht, jede Sinfonie, jede Kathedrale trägt die Möglichkeit des Kanonendonners in sich; jede Verfeinerung des Geistes kann sich, kaum geboren, in eine Waffe verwandeln. Adorno wusste: Die Kultur, die…

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  • Kritik als Lebensform: Ein Nachruf auf Christa Bürger

    Ein Nachruf auf Christa Bürger Am 22. August 2025 ist Christa Bürger im Alter von neunzig Jahren gestorben. Mit ihr endet eine Epoche kritischer Literaturwissenschaft, die stets mehr war als ein universitäres Fach; sie war Teil einer umfassenden intellektuellen Bewegung, die sich der Aufklärung in ihrer dialektischen Gestalt verpflichtet wusste. Christa Bürger war eine der…

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  • Proust lesen

    Proust lesen

    Man hat oft gesagt, Proust sei schwer zu lesen. Vielleicht liegt diese Schwierigkeit gerade darin, dass er es wagt, uns beim Lesen nicht zu unterhalten, sondern zu beunruhigen – uns an jene Schwellen zu führen, an denen das Gewöhnliche seine Selbstverständlichkeit verliert. Ein Geruch, ein Sonnenreflex auf einer Mauer, eine flüchtige Geste: Alles kann sich…

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  • Alfred Sohn-Rethel in Süditalien

    Zwischen Porosität und theoretischer Entwicklung Alfred Sohn-Rethel (1899–1990) gehört zu jenen Denkern, deren theoretische Radikalität sich erst spät, aber umso nachhaltiger Bahn brach. Seine prägenden Jahre in Süditalien, verbracht zwischen 1924 und 1927 im stillen Rückzug in Positano und im pulsierenden Chaos Neapels, markieren eine entscheidende biographische Zäsur. Mehr noch: Sie sind die Geburtsstunde eines…

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  • Oskar Negt (1934–2024): Ein Leben im Zeichen kritischer Gesellschaftsanalyse und demokratischer Bildung

    „Der sich fortwährend beschleunigende Strom von Ereignissen macht uns blind für die unabgegoltenen Wahrheitsgehalte des Vergangenen. In der immer schnelleren Entwertung von Wahrheitsgehalten, die der Aktualisierungsausgrenzung unterliegen, spielt sich eine unglaubliche Irrtumsproduktion ab, die von der Idee lebt, dass sich jeder vergangene Gedanke vor der Gegenwart zu rechtfertigen habe.“ Oskar Negt 1. Kindheit, Flucht und…

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  • Im Sanatorium der Zeit: Zum 150. Geburtstag Thomas Manns

    Am 6. Juni 2025 jährt sich der Geburtstag Thomas Manns zum 150. Mal. In einer Zeit der Unübersichtlichkeit wirkt sein Werk wie ein fernes Leuchtfeuer intellektueller Ernsthaftigkeit. Doch ist Mann mehr als eine literarische Ikone der Vergangenheit: Er bleibt unser Zeitgenosse – als ironischer Beobachter, moralisierender Demokrat und Philosoph der Dauer. Eine essayistische Wiederbegegnung mit…

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  • Zur Dialektik von Mythos und Text: Roland Barthes im Spiegel der Kritischen Theorie

    Es ist das Privileg kritischer Theorie, im Schatten des Gegebenen das Ungegebene, im scheinbar Selbstverständlichen das historisch Gewordene, mithin das gesellschaftlich Vermittelte aufzuspüren und zu entziffern. Diese Haltung impliziert nicht nur ein Misstrauen gegenüber dem Sichtbaren, sondern eine methodische Skepsis, die sich weigert, Erscheinung und Wesen zu identifizieren. In diesem Sinne ist die kritische Theorie…

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