98 Meter, die Bremen nicht wollte

Zum 80. Geburtstag von Daniel Libeskind

Manche Städte erkennt man daran, was sie gebaut haben. Bremen erkennt man auch daran, was es verhindert hat.

Daniel Libeskind wird heute, am 12. Mai, 80 Jahre alt. Der in Łódź geborene Sohn jüdischer Eltern, die den Holocaust überlebten, hat sein Werk nie von seiner Herkunft getrennt. Architektur als Auseinandersetzung mit Gedächtnis, Verlust und Identität, vom Jüdischen Museum Berlin bis zum Masterplan für Ground Zero. An Ruhestand denkt er trotz des runden Geburtstags nicht. Bremen hatte zweimal die Chance, Teil dieser Geschichte zu werden. Zweimal hat die Stadt sie nicht genutzt.

2019 präsentierte Libeskind im Auftrag der Investoren-Familie Schapira einen Entwurf für das Sparkassengelände am Brill: vier begrünte Türme, der höchste knapp unter der Höhe des Doms, mit explizitem Bezug auf die mittelalterliche Silhouette der Hansestadt. Über 70.000 Quadratmeter für Wohnen, Kultur, Hotel und Handel. Ein Entwurf, der die Stadt ernst nahm. Koalitionspolitik halbierte die zulässige Geschossfläche, die wirtschaftliche Grundlage entfiel, die Schapiras zogen sich zurück. Rund 500 Millionen Euro Investitionsvolumen verschwanden aus der Stadtentwicklung. Schon sein Konzerthausentwurf „Musicon“ war in Bremen gescheitert. Damals aus finanziellen Gründen. Zweimal derselbe Architekt, zweimal dieselbe Antwort.

Was das über eine Stadt aussagt, beschreibe ich ausführlicher hier:
Die Bremer Innenstadt: Anatomie einer verwalteten Verödung

Hinterlasse einen Kommentar