Politisches
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Zum 80. Geburtstag von Daniel Libeskind Manche Städte erkennt man daran, was sie gebaut haben. Bremen erkennt man auch daran, was es verhindert hat. Daniel Libeskind wird heute, am 12. Mai, 80 Jahre alt. Der in Łódź geborene Sohn jüdischer Eltern, die den Holocaust überlebten, hat sein Werk nie von seiner Herkunft getrennt. Architektur als…
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Sozialstaatliche Steuerung, Klassenkonflikt und die Grenzen populistischer Vereinnahmung Vorbemerkung Über Migration wird in Deutschland viel gesprochen – selten jedoch auf Grundlage ihrer tatsächlichen Bedingungen. Zwei Deutungsmuster prägen dabei die Debatte: ein moralischer Universalismus einerseits und eine Politik der Ordnung und Begrenzung andererseits. Beide gehen von einer gemeinsamen Grundannahme aus: dass Migration primär als Problem zu…
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Organische Krise und autoritäre Gegenwart Die gegenwärtige Krise des Kapitalismus erscheint auf den ersten Blick als Abfolge disparater Erschütterungen: Finanzkrise, Pandemie, Krieg, Inflation und ökologische Zerstörung. In dieser Perspektive wirkt sie fragmentiert. Ihr Zusammenhang bleibt unsichtbar. Seit den 1970er Jahren hat sich jedoch eine historische Konstellation herausgebildet, die sich mit der globalen Finanzkrise von 2008…
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Wer im falschen Stadtteil in Bremen lebt, wartet länger – oder vergebens Die Versorgungskrise mit Kinder- und Hausärzten trifft Gröpelingen, Osterholz-Tenever, Hemelingen, Huchting und Woltmershausen – ebenso Bremen-Nord und Bremerhaven. Die Karte der unterversorgten Quartiere deckt sich weitgehend mit der Karte der Armut in Bremen. Wo Langzeitarbeitslosigkeit, prekäre Wohnverhältnisse und geringe Bildungschancen konzentriert sind, bricht…
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Was eine Innenstadt ist, wirkt auf den ersten Blick wie eine triviale Frage. Für die Stadtsoziologie ist sie das Gegenteil: Innenstädte sind Machträume — Orte, an denen soziale, ökonomische und politische Kämpfe um Ressourcen und Teilhabe räumlich ausgetragen werden und darüber entscheiden, welche Interessen sich durchsetzen und welche aus dem Stadtraum gedrängt werden. Der Zustand…
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Die aktuelle Umfrage von Infratest dimap im Auftrag des Weser-Kurier ist mehr als eine Momentaufnahme: 57 Prozent der Befragten sprechen sich für den Erhalt des Klinikums Links der Weser aus. Das ist ein politisches Signal – und Rückenwind für die Initiative, die bereits im Februar rund 20.000 Unterschriften für ein Volksbegehren eingereicht hat. Nötig gewesen…
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Vor zweieinhalb Jahren habe ich nach 16 Jahren die Partei DIE LINKE verlassen, um das BSW als Gründungsmitglied mit aufzubauen. Als Landesgeschäftsführer des Bremer Landesverbands habe ich diese Arbeit zwei Jahre lang maßgeblich begleitet. Zum Jahreswechsel 2025/2026 bin ich ausgetreten. Was folgt, ist keine Abrechnung – aber eine ehrliche Bilanz. Die Zahlen: kein kurzfristiger Rückgang,…
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Das Lager „Handwerk“ — Verschleppt, ausgebeutet, vergessen. Mitten in Horn-Lehe, an der Ecke Achter- und Riensberger Straße, stand von 1943 bis Kriegsende eines der größeren Bremer Lager für Zwangsarbeiter — dort, wo heute der Magdalene-Thimme-Weg entlang der Kleinen Wümme verläuft und die Grün-Station Horn ihren Standort hat. Ein Ort, dessen NS-Vergangenheit im kollektiven Gedächtnis des…
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Von 7.075 Menschen in Bremen, die einen Rechtsanspruch auf „Hilfe zur Pflege“ haben, erhalten ihn nur 1.090. Das sind 15,4 Prozent – knapp jeder Sechste. Fast 6.000 Menschen gehen leer aus, obwohl ihnen das Recht zusteht. Eine neue Studie des Paritätischen Gesamtverbands macht diese Zahl erstmals sichtbar. Sie ist für Bremen kein Zufall. Vier von…
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Expansion, Gewalt und die Grenzen der Moderne Es gibt Werke, die ihrer Zeit voraus sind, und solche, die ihre Zeit so präzise durchleuchten, dass sie als Diagnose der Gegenwart lesbar bleiben. Rosa Luxemburgs Die Akkumulation des Kapitals, 1913 in vier Monaten niedergeschrieben, gehört zu beiden Kategorien. Was sie darin leistet, ist theoretisch singulär: Sie denkt…
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Ich war zu jung für 68. Als Schneider auf den Podien stand, saß ich noch in der Schule. Die Revolte kannte ich zunächst als Text, als Versprechen, das schon eingelöst oder gebrochen war, bevor ich es selbst ergreifen konnte. Was mich an ihm festhielt, war nicht der Revolutionär. Es war der Zweifler. 1978, als das…
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Über Moral, Inszenierung und die Auflösung des Diskurses bei Markus Lanz Es gibt Momente im bundesdeutschen Fernsehen, in denen sich die Bewusstseinsindustrie in ihrer ganzen zynischen Brillanz offenbart. Der gestrige Abend bei Markus Lanz war ein solcher Moment – ein Lehrstück darüber, wie demokratische Öffentlichkeit nicht hergestellt, sondern systematisch demontiert wird. Was als Diskussionsformat angekündigt…
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Vorbemerkung: Eine notwendige Klärung In einem jüngst in der WELT erschienenen Beitrag fordert Sahra Wagenknecht „eine konservative oder im Ursprungssinn rechte Agenda“ für das Bündnis Sahra Wagenknecht. Ihre Begründung: Die Begriffe links und rechts seien heute bedeutungslos geworden – links stehe mittlerweile nur noch für Identitätspolitik und Genderdiskurse, die von den materiellen Interessen der arbeitenden…
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Es gehört zu den bitteren Ironien der Geistesgeschichte, dass das Institut, das einst den Anspruch erhob, den Zusammenhang von Erkenntnis und Herrschaft freizulegen, heute selbst in jener Vernunft verstrickt ist, die es zu kritisieren vorgab. Die „Kritische Theorie“ – ursprünglich der Versuch, die Selbstzerstörung der Aufklärung in ihrer eigenen Bewegung begrifflich zu fassen – hat…
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Was die Bundesregierung als „Reform“ der Grundsicherung verkauft, ist in Wahrheit ein Rückfall in den Geist von Hartz IV – ein sozialpolitischer Rückschritt, der das Vertrauen in den Sozialstaat weiter zerstört. Die sogenannte „Neue Grundsicherung“ steht für Misstrauen statt Unterstützung, für Kontrolle statt Hilfe, für Strafen statt Chancen. Besonders zynisch ist dabei das Zusammenspiel von…
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Einleitung Die intellektuelle Landschaft der deutschen Nachkriegszeit wurde maßgeblich von zwei Strömungen geprägt, die trotz gemeinsamer marxistischer Wurzeln und eines kritischen Gesellschaftsverständnisses distinkte Pfade in Analyse und politischer Praxis beschritten: die Kritische Theorie der Frankfurter Schule und die Marburger Schule um Wolfgang Abendroth. Während die Frankfurter Schule eine umfassende Kultur- und Gesellschaftskritik entwickelte, die auf…
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1. Einleitung:Was ist Armut? Warum ist Bremen besonders betroffen? Armut ist ein vielschichtiges und komplexes Phänomen, das weit über den reinen Mangel an Geld hinausgeht. In ihrer grundlegenden Definition bezieht sich Armut auf das Leben unterhalb eines bestimmten Einkommensniveaus, das als unzureichend angesehen wird, um die grundlegenden Bedürfnisse des Lebens zu decken. In Deutschland gilt…
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Hoffnung ist die Tugend der Rebellen Ein Interview mit Prof. Dr. Rudolph Bauer anlässlich der Veranstaltung der Linksfraktion »Die Unmenschlichkeits- katastrophe – 10 Jahre Hartz IV« am 9. Oktober 2012 im Konsul Hackfeld-Haus. Rudolph Bauer wurde 1939 in Amberg/Oberpfalz geboren. Er studierte Politikwissenschaft, Soziologie und Philosophie u.a in München und Frankfurt a.M. Von 1971 bis…
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Grundlagenpapier der AG Gesundheit & Soziales: 1. In kaum einer anderen westdeutschen Großstadt lässt sich der Skandal sozialer Ungerechtigkeit so hautnah „erleben“: Einerseits gehört Bremen zu den wohlhabendsten Regionen Europas; andererseits scheint nirgendwo die soziale Spaltung der Gesellschaft in Reiche und Arme so augenfällig. Armut und soziale Ausgrenzung prägen die traurige Wirklichkeit Bremens. Bereits heute…
