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Vor genau 45 Jahren stand ich in der Bremer Kunsthalle zum ersten Mal vor diesem Gemälde des Spätromantikers Friedrich Nerly und schrieb darüber. Das Bild hat sich seitdem nicht verändert, ich schon. Vielleicht ist es ja meine „Ansicht von Delft“. Auch Nerly kehrt in diese Vedute zurück, als Randfigur unten rechts: Der Begleiter, der die…
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Alfred Sohn-Rethel: Exposés zur materialistischen Kritik der Erkenntnis Hundert Jahre nach seiner Entstehung liegt nun jenes Projekt in einer eigenen Edition vor, mit dem Alfred Sohn-Rethel den Zusammenhang von Warenform und Denkform zu entschlüsseln versuchte. Der dritte und letzte Band der Werkausgabe bei ça ira versammelt die Exposés zur materialistischen Kritik der Erkenntnis in zwei…
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Gröpelingen und die Logik verfestigter Armut Der Bremer Stadtteil Gröpelingen lebt: Vereine, Moscheen, Märkte, Nachbarschaften. Wer das als Beleg liest, dass Armut hier keinen Bestand hat, dass Menschen arm ankommen, sich hocharbeiten und weiterziehen, der verwechselt soziales Leben mit sozialer Mobilität. Beides kann gleichzeitig existieren. In Gröpelingen existiert es seit Jahrzehnten. Geschichte in langen Linien…
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Ein alter Streit um Habermas flammt wieder auf Jörg Später, Biograph der Frankfurter Schule, vermerkt im soeben erschienenen Sonderheft der Zeitschrift Philosophie mit leiser Ironie, dass man den Nachhall eines alten Streits noch heute in voller Lautstärke hören könne. Er meint den Graben, der sich spätestens beim Hamburger Adorno-Symposion von 1984 auftat, jener Gegenveranstaltung zur…
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Bremen ist noch immer Spitzenreiter. Seit Jahren. Der neue Armutsbericht des Paritätischen ist damit auch ein Armutszeugnis für die Bremer Landespolitik. Er weist für Bremen eine Armutsquote von 27,5 Prozent aus, nach 25,9 Prozent im Vorjahr. Mehr als 194.000 Menschen leben damit unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle. Bundesweit liegt die Quote bei 16,1 Prozent. In Bayern ist…
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Die aktuelle Debatte über Faschismus, Faschisierung und autoritäre Entwicklungen ist von einem eigentümlichen Widerspruch geprägt. Einerseits besteht weitgehende Einigkeit darüber, dass liberale Demokratien unter Druck geraten, autoritäre Bewegungen erstarken und rechtsextreme Kräfte gesellschaftlich an Einfluss gewinnen. Andererseits herrscht bemerkenswerte Unsicherheit darüber, wie diese Entwicklungen begrifflich zu fassen sind. Faschismus, Postfaschismus, demokratischer Faschismus, autoritärer Kapitalismus, Regression,…
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Starke Analyse, unvollendete Konsequenz Das MEMORANDUM 2026 der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik greift die herrschende Austeritätspolitik an ihrer verwundbarsten Stelle an. Das ist seine Stärke. In einer Zeit, in der Haushaltskonsolidierung, Deregulierung und der Glaube an selbstheilende Märkte zum unhinterfragten wirtschaftspolitischen Konsens erklärt wurden, liefert es eine faktengestützte Analyse der deutschen Mehrfachkrise und formuliert Gegenentwürfe, die…
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Pip: Krise, Kapitalismus, Rechtsruck — und irgendwo dazwischen eine Partei, die sich nach einer Person benennt. Willkommen bei WIND STRICHE. Mara: Manfred Steglich hat in letzter Zeit einige größere Analysen veröffentlicht — über die strukturellen Wurzeln autoritärer Tendenzen, über Migration als Klassenfrage und über das BSW und seine Wählerschaft. Darum geht es heute. Pip: Fangen…
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Eine kritische Einordnung aus sozialwissenschaftlicher Perspektive Zur WSI-Studie »Die Wählerschaft des BSW bei der Bundestagswahl 2025« (Emmler/Seikel, WSI Report Nr. 112, April 2026) Der Autor ist Sozialwissenschaftler mit langjähriger Forschungs- und Praxiserfahrung zu Armut, Ungleichheit und städtischer Segregation. Er war Gründungsmitglied des BSW und zwei Jahre lang Landesgeschäftsführer des Bremer Landesverbands. Zum Jahreswechsel 2025/2026 ist…
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Zum 80. Geburtstag von Daniel Libeskind Manche Städte erkennt man daran, was sie gebaut haben. Bremen erkennt man auch daran, was es verhindert hat. Daniel Libeskind wird heute, am 12. Mai, 80 Jahre alt. Der in Łódź geborene Sohn jüdischer Eltern, die den Holocaust überlebten, hat sein Werk nie von seiner Herkunft getrennt. Architektur als…
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Sozialstaatliche Steuerung, Klassenkonflikt und die Grenzen populistischer Vereinnahmung Vorbemerkung Über Migration wird in Deutschland viel gesprochen – selten jedoch auf Grundlage ihrer tatsächlichen Bedingungen. Zwei Deutungsmuster prägen dabei die Debatte: ein moralischer Universalismus einerseits und eine Politik der Ordnung und Begrenzung andererseits. Beide gehen von einer gemeinsamen Grundannahme aus: dass Migration primär als Problem zu…
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Organische Krise und autoritäre Gegenwart Die gegenwärtige Krise des Kapitalismus erscheint auf den ersten Blick als Abfolge disparater Erschütterungen: Finanzkrise, Pandemie, Krieg, Inflation und ökologische Zerstörung. In dieser Perspektive wirkt sie fragmentiert. Ihr Zusammenhang bleibt unsichtbar. Seit den 1970er Jahren hat sich jedoch eine historische Konstellation herausgebildet, die sich mit der globalen Finanzkrise von 2008…
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Wer im falschen Stadtteil in Bremen lebt, wartet länger – oder vergebens Die Versorgungskrise mit Kinder- und Hausärzten trifft Gröpelingen, Osterholz-Tenever, Hemelingen, Huchting und Woltmershausen – ebenso Bremen-Nord und Bremerhaven. Die Karte der unterversorgten Quartiere deckt sich weitgehend mit der Karte der Armut in Bremen. Wo Langzeitarbeitslosigkeit, prekäre Wohnverhältnisse und geringe Bildungschancen konzentriert sind, bricht…
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Was eine Innenstadt ist, wirkt auf den ersten Blick wie eine triviale Frage. Für die Stadtsoziologie ist sie das Gegenteil: Innenstädte sind Machträume — Orte, an denen soziale, ökonomische und politische Kämpfe um Ressourcen und Teilhabe räumlich ausgetragen werden und darüber entscheiden, welche Interessen sich durchsetzen und welche aus dem Stadtraum gedrängt werden. Der Zustand…
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Scharfer Grund. – Immanuel Kant, der die Vernunft zur Reinheit der Form anhielt, duldete beim Essen keinen unbestimmten Geschmack. Senf, täglich, zu fast allem – als müsste die Welt, um gültig zu sein, erst geschärft werden. Er rührte ihn selbst an. Die Köchin besorgte das Übrige. Darin eine Ordnung: Das Allgemeine wird delegiert, das Entscheidende…
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Die aktuelle Umfrage von Infratest dimap im Auftrag des Weser-Kurier ist mehr als eine Momentaufnahme: 57 Prozent der Befragten sprechen sich für den Erhalt des Klinikums Links der Weser aus. Das ist ein politisches Signal – und Rückenwind für die Initiative, die bereits im Februar rund 20.000 Unterschriften für ein Volksbegehren eingereicht hat. Nötig gewesen…
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Vor zweieinhalb Jahren habe ich nach 16 Jahren die Partei DIE LINKE verlassen, um das BSW als Gründungsmitglied mit aufzubauen. Als Landesgeschäftsführer des Bremer Landesverbands habe ich diese Arbeit zwei Jahre lang maßgeblich begleitet. Zum Jahreswechsel 2025/2026 bin ich ausgetreten. Was folgt, ist keine Abrechnung – aber eine ehrliche Bilanz. Die Zahlen: kein kurzfristiger Rückgang,…
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Das Lager „Handwerk“ — Verschleppt, ausgebeutet, vergessen. Mitten in Horn-Lehe, an der Ecke Achter- und Riensberger Straße, stand von 1943 bis Kriegsende eines der größeren Bremer Lager für Zwangsarbeiter — dort, wo heute der Magdalene-Thimme-Weg entlang der Kleinen Wümme verläuft und die Grün-Station Horn ihren Standort hat. Ein Ort, dessen NS-Vergangenheit im kollektiven Gedächtnis des…
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Von 7.075 Menschen in Bremen, die einen Rechtsanspruch auf „Hilfe zur Pflege“ haben, erhalten ihn nur 1.090. Das sind 15,4 Prozent – knapp jeder Sechste. Fast 6.000 Menschen gehen leer aus, obwohl ihnen das Recht zusteht. Eine neue Studie des Paritätischen Gesamtverbands macht diese Zahl erstmals sichtbar. Sie ist für Bremen kein Zufall. Vier von…
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Mit Jürgen Habermas ist gestern der letzte große Denker der Frankfurter Schule gestorben – und der umstrittenste. Zumindest für jene, die in der Tradition der Väter stehen. Er kam 1956 als junger Assistent zu Adorno nach Frankfurt – in ein intellektuelles Kraftfeld, dessen Gravitationszentrum die Verschränkung von Marx, Freud und Hegel bildete. Horkheimer ahnte früh,…